Aufs Auge

„Passt wie die Faust aufs Auge“.
Wird heute sehr häufig für eine besonders gute Passung verwendet.
Früher war das anders – zumindest in meiner subjektiven Erinnerung. Da stand die Formulierung für etwas, das auf eine präzise Art äußerst unpassend war. Denn die Faust gehört ja nun gerade nicht aufs Auge. Aus dieser Doppelbödigkeit ergibt sich auch die früher dominierende ironische Verwendung.

Ist da nur die Ironie verloren gegangen? Das einfache Nach- (oder Vor-)Denken über das, was man sagt? Oder ist es schlicht üblicher geworden zu denken, dass die Faust wirklich aufs Auge passt?

Es soll ja auch Leute geben, die der Meinung sind, Loriots neue Hose passe so perfekt wie vom Verkäufer behauptet.

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Ein Gedanke zu „Aufs Auge

  1. Verlorene Ironie – ein wichtiges Stichwort.
    So manche Ironie wird von der nächsten Generatkion nicht mehr erkannt.
    Beispiel:
    „Nichtsdestotrotz“ – in meiner Schulzeit eine ironische Formulierung zur Kennzeichnung der Leute, die „obwohl“ meinen, eine höhere Spracheben anstreben, „nichtsdestoweniger“ vage erinnern, die dahinter steckende komplexe Logik (Verneinung der zu erwartenden Relation ‚Je weniger, desto mehr‘) nicht fassen, wegen dieser Begriffsstutzigkeit und um sich vermeintlich deutlich auszudrücken, in der Mitte des Wortes abbrechen und das „trotz“ aus „trotzdem“ anhängen – ausgerutscht auf sprachlichem Glatteis.
    Heute benutzt manch Reporter etc. dies Wort ohne Spur der Ironie, ohne Absicht, die Hörer oder Leser zu veräppeln. Und merkt nicht einmal den Irrsinn seiner Formiulierung.

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