Poetry Spam – Catch of the Day

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(Unveränderter Originelltext)

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Abkindern

Bei wer-weiss-was? wurde 2006 die Frage nach der Bedeutung von „abkindern“ gestellt. Aus den Antworten:
– Wenn der Vater einer sehr kinderreichen Familie abends nach der Arbeit das   Spalier seiner Kinder abschreitet und mit jedem ein paar Worte wechselt.
– Analog zu abstillen: der Entschluss, fortan keine Kinder mehr zu bekommen.
– Gebären, werfen
Zugegeben, der Frager wusste die Antwort selbst, und die Antworten waren nicht unbedingt ernst gemeint.

Die richtige Antwort nach Wikipedia:
In der DDR wurde Neuvermählten ein zinsloser „Ehekredit“ von bis zu 5.000 Mark – später 7.000 Mark – gewährt. Stellten sich Kinder ein, wurde die abzuzahlende Kreditsumme entweder gemindert (beim ersten Kind um 1.000 Mark, beim zweiten Kind um weitere 1.500 Mark) oder galt bei Geburt des dritten Kindes als getilgt. Der Volksmund kreierte dafür den Begriff „Abkindern“.

Verwendungsbeispiel nach Wiktionary:
„Dagmar und ich haben jetzt schon 2.500 Mark abgekindert.“

Begriff und Sachverhalt sind keineswegs völlig verschwunden. So berichtet die Chemnitzer Morgenpost 2010 von der Möglichkeit, Sanierung oder Erwerb von Wohnungen „abzukindern“. Vielleicht kann auch Peter-Zwegat das Abkindern als Rückzahlungsmodell für seine Kreditproblemkundschaft übernehmen.

Nicht abkindern können die Kinderlosen, die nach aktuellem Vorschlag der „Jungen Gruppe“ in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion auch noch für fremde Kinder zahlen sollen. Ein Vorschlag, den die Kanzlerin allerdings nicht abkonnte.

Schulmedizin

Vielleicht der größte Kommunikationscoup der Pseudo- oder Placeboheiler. Sie haben das Wort „Schulmedizin“ im allgemeinen Sprachgebrauch etabliert. Auch seriöse Medien, zuletzt etwa die Süddeutsche Zeitung, verwenden den abschätzigen Begriff ohne ihn zu hinterfragen. Es ist ihnen sogar gelungen, dass viele der Geschmähten selbst – seriöse Mediziner – das Etikett auf sich selbst anwenden. Welche PR-Agentur würde sich eine solche Leistung zutrauen?

Woran denkt man, wenn man „Schulmedizin“ hört? An Schule, starres, vertrocknetes, lebensfernes Büffelwissen? An dessen menschenfeindliche Auswüchse: „Apparatemedizin“, „Pharmakeule“? Nicht unwahrscheinlich. Der Gegenpol? „Erfahrungsmedizin“, „Alternativmedizin“, „Komplementärmedizin“ etc.

Laut Wikipedia prägte der homöopathische Arzt Franz Fischer den Ausdruck „Schulmedizin“ 1876 in einem Brief an die „Homöopathischen Monatsblätter“ – auch schon gezielt abwertend. Fischer bezog sich dabei wohl auf eine Formulierung des Homöopathie-Begründers Samuel Hahnemann von 1832. Mit „Mediziner der Schule“ nahm dieser die sogenannte allopathische Medizin aufs Korn, nicht etwa die wissenschaftlich und staatlich legitimierte Medizin, die sich in Deutschland erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts etablierte.  Im Nationalsozialismus wurde der Begriff „Schulmedizin“ benutzt, um eine „gesunde“ „Volksmedizin“ oder eine „Neue Deutsche Heilkunde“ als Gegenstück zur „verjudeten Schulmedizin“ zu propagieren. Details finden sich in einer Dissertation von 1974. Eine Analyse der jüngsten Begriffsgeschichte wäre ebenso interessant wie eine empirische Untersuchung der oben als wahrscheinlich angenommenen Konnotationen.

Was soll man denn stattdessen sagen? Vielleicht einfach nur „Medizin“. Das würde den nicht seriösen Ansätzen die angemaßte medizinische Legitimation nehmen.   Oder Hochschulmedizin, wissenschaftliche Medizin, wissenschaftsbasierte Medizin. Aber muss die Mathematik sich „wissenschaftliche Mathematik“ nennen? Etwa um sich von der „Erfahrungsmathematik“ der Peter-Zwegat-Kundschaft abzugrenzen? Muss der Ingenieur sich Schwerkraft-Ingenieur nennen, nur weil er nicht mit Levitation arbeitet?

Der Begriff „Erfahrungsmedizin“ ist übrigens auch ein Etikettenschwindel. Es ist ja gerade die seriöse Medizin, die auf Erfahrung beruht. Auf wissenschaftlich überprüfter und weiter überprüfbarer Erfahrung. Und nicht auf der trügerischen Erfahrung, dass der Schamane heilt, weil er sich eine Woche lang zu dem Grippe-Kranken legt und die Krankheit übernimmt. Auch nicht auf der Erfahrung, dass Männer, die getrockneten Tigerpenis zu sich genommen haben, Sex haben können. Auch nicht auf fortwährender dogmatischer Leugnung von Empirie und Naturgesetzen.

Wer heilt hat recht. Dumm ist nur, dass es gar nicht so einfach ist, eine Heilung auf eine spezifische Maßnahme zurückzuführen. Klug ist, wer wenigstens darauf achtet, die eine oder andere sprachliche „Infektion“ nicht noch weiter zu verbreiten.

 

Mamihlapinatapei

„Mamihlapinatapei“
Wird zu den besonders schwer zu übersetzenden Wörtern gezählt. Bezeichnet in Yagan, einer indigenen, fast verlorenen Sprache auf Feuerland einen vielsagenden Blickkontakt zwischen zwei Personen, die gemeinsam etwas vorhaben aber beide zögern loszulegen. (nach altalang.com)

Ein tierischer Patagonier musste seine Zögerlichkeit beim Blickkontakt allerdings teuer bezahlen: Der einheimische Fuchs beobachtete Darwin und seine Leute von einem Felsen herab. Darwin erwiderte den Blick, machte sich dann hinten herum die Klippe hinauf und erschlug den freundlichen Fuchs mit einem Hammer. Im Namen der Wissenschaft.

Den Yagan – auch Yámana genannt – bekam der Kontakt mit der Zivilisation kaum besser. Eine Masernepidemie und andere Begleiterscheinungen der Missionierung reduzierten die Bevölkerung dramatisch. Heute sollen noch zwei der wenigen Nachkommen die Sprache zumindest eingeschränkt beherrschen.

Angeblich besonders schwer zu übersetzende Wörter aus aller Welt:
Ten-most-difficult-words-to-translate
20-awesomely-untranslatable-words-from-around-the-world/
The world’s most difficult word to translate