Poetry Spam – Catch of the Day 9

hallo mein lieber freund
ich bin in einer sehr vereinte familie gebracht
meine eltern haben zusammen seit 30 jahren
und ich liebe um zu sehen
wie sie sich umeinander zu kümmern

es gibt gute und schlechte momente im leben
aber wenn zwei menschen wirklich lieben
und kümmern uns um einander
sie kann alles überwinden?
stimmst du mir zu?

ich bin eine sehr einfache person art
gesellig, lustig http://bst.bz/e1kvtu
ich mag meine lieblingsmusik hören
romane zu lesen tennis zu spielen
ich suche einen mann
der mich vollenden
wird.
bestes glück
anja

Für „SIE“

Für"SIE"Kein Platz mehr in deutschen Kommunen?
Hier in bester Innenstadtlage ist ein Platz reserviert.
Für “SIE”!
Die Anführungszeichen werfen allerdings Fragen auf.
Meint man mit “SIE” jemanden, dem man seinen seltsamen Wunsch gesiezt zu werden mit ironischem Unterton erfüllt?
Oder meint man ebenso ironisch einen früheren “ER”, der nun darauf besteht eine “SIE” zu sein?
A”SIE”lanten wird man nicht gemeint haben. Da passt ja schon das Wort nicht auf den Deckel.

Der schwarze Frack der Dinge

Im Hotel Drouot erste Versteigerung von Photographien gesehen. Alles wird schwarz in diesem Jahrhundert: die Photographie, das ist wie der schwarze Frack der Dinge.

Journal der Brüder Goncourt, 1857

Stille Teilhaber

Lugeck 4

Ein schönes Haus besitzt die Bausparkasse Wüstenrot am Wiener Lugeck.

Mit dem Bausparen ist es ja wie bei einem Flugzeugnotfall. Erst muss sich der Erwachsene mit der Sauerstoffmaske sichern, dann erst kommt das Kind. Erst muss die Bausparkasse schön wohnen, dann kommt der Bausparer.

Da die Bausparkasse mit dem Geld der Bausparer arbeitet, muss sie es gut anlegen. Etwa indem sie einen Teil des herrschaftlichen Gebäudes an eine Almvariante der Ballermann-Disko untervermietet. Die und deren ausgelassene Besuchermassen beleben nun die nächtlichen Gassen in nie gekannter Weise. Die anwohnenden Bausparer werden derart großzügig mit einbezogen, dass sie keine Nacht mehr schlafen wollen. Nachts sitzen sie zitternd in ihren Betten, tagsüber taumeln sie mit hängenden Lidern zu Anwohnerversammlungen oder zu ihrer Bausparkasse um eine ruhigere Wohnung zu finanzieren.

Asses to Asses. Dust to Dust.

„Wieder einmal hat der liebe Gott, wie schon bei Wagner und Karajan, in einem Anfall von Zerstreutheit eine große Begabung an ein großes Arschloch vergeben.“ Werner Burkhardt

Wer war das dritte große Arschloch, das der Jazzkritiker hier besprach?
Miles Davis.

Aktuelles Buch zum Thema: „Assholes. A Theory“ von Aaron James.
Leider nur ein weiteres Beispiel für schwache, aber gehypte Pop-Philosophie. Der Autor versteht unter „Assholes“ Personen, die sich im Alltag systematisch auf Kosten anderer Vorteile verschaffen. Sie tun dies ohne Anflug von Skrupeln und sind immun gegen Proteste. Aus einer Reihe von Beispielen – der Vordrängler in der Schlange, der rücksichtslose Autofahrer… – leitet er eine Typologie ab. Das Ganze erfüllt kaum die Kriterien für eine Theorie. Könnte für eine Glosse reichen, aber der Autor dehnt das auf ermüdend repetitive zweihundert Seiten. Der eine oder andere Kritiker hat das Buch denn auch als Autobiografie verstanden. Po-Philosophie ist es in jedem Fall.

Problemlose Lösung

Nach Lösungen für Probleme suchen, die noch nicht berichtet wurden“
(Angebot von Windows 7)
Das nenne ich pro-aktiv. Wenn Windows mir die Lösung nennt, suche ich das passende Problem dazu.
„Wir sind eine Vorahnung; das Bild, das sich in der Vorstellung von jemand viel früher formt, als die Ereignisse geschehen, durch die wir an seinem Leben teilnehmen.“
Salvador Elizondo

Oftmals

Oftmals hab ich mich gefragt,
warum wird so oft nicht oft gesagt?

Es scheint mehr und mehr zu verschwinden. Das kleine Wörtchen „oft“. Geschluckt vom umständlich-prätentiösen „oftmals“ wie ein unauffälliger, aber funktionierender Familienbetrieb vom Marketing-getriebenen Konzern.
Paradoxerweise scheint „oftmals“ gerade bei Jüngeren beliebt zu sein. Bei Menschen, die ansonsten knapp und salopp formulieren, die so oft mit 140 Zeichen auskommen müssen.
Mitten im Satz steht da plötzlich diese sprachliche Zinnteller-Vitrine.
So zumindest mein subjektiver Eindruck. Wenn das zutrifft, wie kommt das, was bedeutet das? Ist das nur eine erratische Modeentwicklung ohne tieferen Hintergrund? Ist es die systematische Nutzung einer einfachen Möglichkeit, dem Gesagten einen gehobenen Anschein zu geben?

Dabei ist oft nicht einmal die Verkürzung von oftmals, sondern die vollständige und etablierte Urform (schon im Althochdeutschen „ofto“) mit der Bedeutung „häufig wiederkehrend“. Anders als bei „manchmal“ leistet also der Zusatz „mals“ keinen neuen Bedeutungsbeitrag.  Das Grimmsche Wörterbuch lässt eine Entstehung von „oftmals“ aus Wendungen wie „zum oftern (=öfteren) male“ vermuten. „.. und kusset die jungfrawen zum ofternmal“ wird dort zum Beispiel angeführt. Laut demselben Wörterbuch ist oftmals „jetzt … veraltet und durch das einfache oft, öfter (öfters) wieder ersetzt.“ Ein Wörterbuch von 1910 verzeichnet „oft“ als „üblichere(n) und edlere(n) Ausdruck von beiden“.
Das scheint nicht mehr oft so gesehen zu werden..