Rilke nicht

rilke nicht

wenn im herbst die blätter fielen
blatt für blatt
lauschte rilke wie sie fielen
blatt für blatt
schrieb ein herbstgedicht

heute wenn die blätter fallen
wird geblasen und gesaugt
rilke würd es nicht gefallen
unter wipfeln laublos laut
schrieb ein rilke nicht

Poetry Spam – Catch of the Day 3

sie glücklich machen heute
5 große hunde im bett
posieren weich
und wirksame pflanzliche medizin
ihre reparatur
der reproduktiven gesundheit
das vegetative wirkung
und angenehmer stärkende wirkung
schnappen sie sich eine kreditkarte
und gehen sie für ihren traum!

Poetry Spam – Catch of the Day 2

stoppen sie das gefühl
über ihre größe
traumatisiert
groß oder klein
es ist ihre wahl
vollständige wiederherstellung
ihrer gesundheit des menschen
heute und jetzt

beginnen zu betreiben
bereits heute
es ist nicht notwendig
zu warten
um lesen
und zu lernen ist es mehr

(Unveränderter Originelltext)

Verteidigte Leberwurst


2012 feiern wir zweihundert Jahre „Kinder- und Hausmärchen“ der Brüder Grimm.
Aus diesem Anlass ein ganz besonderes, doch kaum bekanntes Märchen aus der Sammlung.
Es schaffte es nur in die ersten beiden Ausgaben:

Die wunderliche Gasterei

Auf eine Zeit lebte eine Blutwurst und eine Leberwurst in Freundschaft, und die Blutwurst bat die Leberwurst zu Gast. Wie es Essenszeit war, ging die Leberwurst auch ganz vergnügt zu der Blutwurst, als sie aber in die Haustüre trat, sah sie allerlei wunderliche Dinge, auf jeder Stiege der Treppe, deren viele waren, immer etwas anderes, da war etwa ein Besen und eine Schippe, die sich miteinander schlugen, dann ein Affe mit einer großen Wunde am Kopf und dergleichen mehr. Die Leberwurst war ganz erschrocken und bestürzt darüber, doch nahm sie sich ein Herz, trat in die Stube und wurde von der Blutwurst freundschaftlich empfangen. Die Leberwurst hub an, sich nach den seltsamen Dingen zu erkundigen, die draußen auf der Treppe wären, die Blutwurst tat aber, als hörte sie es nicht, oder als sei es nicht der Mühe wert davon zu sprechen, aber sie sagte etwa von der Schippe und dem Besen: „Es wird meine Magd gewesen sein, die auf der Treppe mit jemand geschwätzt hat“, und brachte die Rede auf etwas anderes. Die Blutwurst ging darauf hinaus und sagte, sie müsse in der Küche nach dem Essen sehen, ob alles ordentlich angerichtet werde, und nichts in die Asche geworfen. Wie die Leberwurst derweil in der Stube auf- und abging und immer die wunderlichen Dinge im Kopf hatte, kam jemand, ich weiß nicht, wers gewesen ist, herein und sagte: „Ich warne dich, Leberwurst, du bist in einer Blut- und Mörderhöhle, mach dich eilig fort, wenn dir dein Leben lieb ist.“ Die Leberwurst besann sich nicht lang, schlich zur Tür hinaus und lief, was sie konnte; sie stand auch nicht eher still, bis sie aus dem Haus mitten auf der Straße war. Da blickte sie sich um, und sah die Blutwurst oben im Bodenloch stehen mit einem langen, langen Messer, das blinkte, als wärs frisch gewetzt, und damit drohte sie, und rief herab: „Hätt ich dich, so wollt ich dich!“

Frappanter Surrealismus und ein eigenartiger Schlusssatz, über den man philosophische Traktate schreiben könnte.

Poetry Spam – Catch of the Day

es ist als e-bay
den besten preis
und die schnelle zustellung besser
die modischen und prächtigen
armbanduhren!

wir kommen dazu
in den urlaub zu kaufen
die interessanten weiblichen taschen
und die schweizerischen armbanduhren
die modischen sammlungen der kleidung
der globale ausverkauf
die saison 2011
für die halbpreise

die angesehenen schuhe!
der sommer 2012!

(Unveränderter Originelltext)

Schulmedizin

Vielleicht der größte Kommunikationscoup der Pseudo- oder Placeboheiler. Sie haben das Wort „Schulmedizin“ im allgemeinen Sprachgebrauch etabliert. Auch seriöse Medien, zuletzt etwa die Süddeutsche Zeitung, verwenden den abschätzigen Begriff ohne ihn zu hinterfragen. Es ist ihnen sogar gelungen, dass viele der Geschmähten selbst – seriöse Mediziner – das Etikett auf sich selbst anwenden. Welche PR-Agentur würde sich eine solche Leistung zutrauen?

Woran denkt man, wenn man „Schulmedizin“ hört? An Schule, starres, vertrocknetes, lebensfernes Büffelwissen? An dessen menschenfeindliche Auswüchse: „Apparatemedizin“, „Pharmakeule“? Nicht unwahrscheinlich. Der Gegenpol? „Erfahrungsmedizin“, „Alternativmedizin“, „Komplementärmedizin“ etc.

Laut Wikipedia prägte der homöopathische Arzt Franz Fischer den Ausdruck „Schulmedizin“ 1876 in einem Brief an die „Homöopathischen Monatsblätter“ – auch schon gezielt abwertend. Fischer bezog sich dabei wohl auf eine Formulierung des Homöopathie-Begründers Samuel Hahnemann von 1832. Mit „Mediziner der Schule“ nahm dieser die sogenannte allopathische Medizin aufs Korn, nicht etwa die wissenschaftlich und staatlich legitimierte Medizin, die sich in Deutschland erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts etablierte.  Im Nationalsozialismus wurde der Begriff „Schulmedizin“ benutzt, um eine „gesunde“ „Volksmedizin“ oder eine „Neue Deutsche Heilkunde“ als Gegenstück zur „verjudeten Schulmedizin“ zu propagieren. Details finden sich in einer Dissertation von 1974. Eine Analyse der jüngsten Begriffsgeschichte wäre ebenso interessant wie eine empirische Untersuchung der oben als wahrscheinlich angenommenen Konnotationen.

Was soll man denn stattdessen sagen? Vielleicht einfach nur „Medizin“. Das würde den nicht seriösen Ansätzen die angemaßte medizinische Legitimation nehmen.   Oder Hochschulmedizin, wissenschaftliche Medizin, wissenschaftsbasierte Medizin. Aber muss die Mathematik sich „wissenschaftliche Mathematik“ nennen? Etwa um sich von der „Erfahrungsmathematik“ der Peter-Zwegat-Kundschaft abzugrenzen? Muss der Ingenieur sich Schwerkraft-Ingenieur nennen, nur weil er nicht mit Levitation arbeitet?

Der Begriff „Erfahrungsmedizin“ ist übrigens auch ein Etikettenschwindel. Es ist ja gerade die seriöse Medizin, die auf Erfahrung beruht. Auf wissenschaftlich überprüfter und weiter überprüfbarer Erfahrung. Und nicht auf der trügerischen Erfahrung, dass der Schamane heilt, weil er sich eine Woche lang zu dem Grippe-Kranken legt und die Krankheit übernimmt. Auch nicht auf der Erfahrung, dass Männer, die getrockneten Tigerpenis zu sich genommen haben, Sex haben können. Auch nicht auf fortwährender dogmatischer Leugnung von Empirie und Naturgesetzen.

Wer heilt hat recht. Dumm ist nur, dass es gar nicht so einfach ist, eine Heilung auf eine spezifische Maßnahme zurückzuführen. Klug ist, wer wenigstens darauf achtet, die eine oder andere sprachliche „Infektion“ nicht noch weiter zu verbreiten.

 

Shakespeare-Schimpfe

Die These, dass Shakespeare lediglich das Pseudonym des Earl of Oxford gewesen sei, ist zwar nicht so alt wie Shakespeare, hat aber das Haltbarkeitsdatum seit langem überschritten.
Gleichwohl wird das dünne Thesen-Süppchen nun wieder aufgewärmt – von Roland Emmerich in dessen neuem Film „Anonymous“.

Wer sich darüber amüsiert oder ärgert, wie bierernst Emmerich in der Film-Promo die alte Plörre als neue wissenschaftliche Entdeckung präsentiert, der bekommt hier die passenden Shakespeareanischen Schimpfwörter. Mit dem folgenden „Invektivengenerator“
lassen sich daraus vielfältige Kombinationen herstellen.

Shakespeare Insult Kit
Combine one word from each of the three columns below, prefaced with „Thou“:

Column 1	    Column 2            Column 3 

artless             base-court          apple-john
bawdy               bat-fowling         baggage
beslubbering        beef-witted         barnacle
bootless            beetle-headed       bladder
churlish            boil-brained        boar-pig
cockered            clapper-clawed      bugbear
clouted             clay-brained        bum-bailey
craven              common-kissing      canker-blossom
currish             crook-pated         clack-dish
dankish             dismal-dreaming     clotpole
dissembling         dizzy-eyed          coxcomb
droning             doghearted          codpiece
errant              dread-bolted        death-token
fawning             earth-vexing        dewberry
fobbing             elf-skinned         flap-dragon
froward             fat-kidneyed        flax-wench
frothy              fen-sucked          flirt-gill
gleeking            flap-mouthed        foot-licker
goatish             fly-bitten          fustilarian
gorbellied          folly-fallen        giglet
impertinent         fool-born           gudgeon
infectious          full-gorged         haggard
jarring             guts-griping        harpy
loggerheaded        half-faced          hedge-pig
lumpish             hasty-witted        horn-beast
mammering           hedge-born          hugger-mugger
mangled             hell-hated          joithead
mewling             idle-headed         lewdster
paunchy             ill-breeding        lout
pribbling           ill-nurtured        maggot-pie
puking              knotty-pated        malt-worm
puny                milk-livered        mammet
qualling            motley-minded       measle
rank                onion-eyed          minnow
reeky               plume-plucked       miscreant
roguish             pottle-deep         moldwarp
ruttish             pox-marked          mumble-news
saucy               reeling-ripe        nut-hook
spleeny             rough-hewn          pigeon-egg
spongy              rude-growing        pignut
surly               rump-fed            puttock
tottering           shard-borne         pumpion
unmuzzled           sheep-biting        ratsbane
vain                spur-galled         scut
venomed             swag-bellied        skainsmate
villainous          tardy-gaited        strumpet
warped              tickle-brained      varlot
wayward             toad-spotted        vassal
weedy               unchin-snouted      whey-face
yeasty              weather-bitten      wagtail

My (s. u.)  additions:

cullionly           whoreson            knave
fusty               malmsey-nosed       blind-worm
caluminous          rampallian          popinjay
wimpled             lily-livered        scullian
burly-boned         scurvy-valiant      jolt-head
misbegotten         brazen-faced        malcontent
odiferous           unwash'd            devil-monk

poisonous           bunch-back'd        toad
fishified           leaden-footed       rascal
Wart-necked         muddy-mettled       Basket-Cockle
                    pigeon-liver'd
                    scale-sided

Ich habe das hier gefunden, aber keine weiteren Hinweise auf eine möglicherweise ursprüngliche Quelle. Also keine Gewähr.

Ach Kleist

Zu Kleists  200. Todestag:
„Ach!“

Infolge „emphatischer Unaussprechlichkeit“ müsste dieses eine Wort genügen.
Wer es dennoch ausführlicher haben möchte:

http://www.zeit.de/2000/03/200003.l-kleist_.xml
http://www.kleist.org/umat/i1_amp.htm
http://www.amazon.de/Heinrich-von-Kleist-Netz-W%C3%B6rter/dp/3882212845/ref=sr_1_3?ie=UTF8&qid=1321881263&sr=8-3