Wussten Sie dass Prinz Philip von der Südsee-Insel Tanna stammt?

Diese Frage stellt eine Gruppe traditioneller Melanesier auf ihrer Reise durch das heutige Großbritannien immer wieder.

Die wunderbare TV-Dokumentation von 2007  begleitet die Gruppe auf Ihrer Suche nach Prinz Philip. Als Anhänger eines Cargo-Kults halten sie Prinz Philip für den Sohn eines Berggeists, der über den Ozean gegangen ist, um eine mächtige Frau zu heiraten. Eines Tages, heißt es, wird er zurück kehren, um seine Leute in eine bessere Zukunft zu führen.

Das ist schon eine Geschichte für sich. Das Spannende an dem Film ist allerdings der fremde Blick, den die Besucher auf das westeuropäische Leben werfen. Die Fragen, die sie ihren Gastgebern aus sehr unterschiedlichen Milieus zu deren Lebensweise stellen, geben auf sehr fundamentale Weise zu denken. Eine filmische Umsetzung des berühmten Papalagi-Büchleins von 1920.

Zu sehen diese Woche bei arte TV bzw. arte+7.

Gurkensalat mit Reis

Das Peferd frißt keinen Gurkensalalt

Das Pferd frisst keinen Gurkensalat!
Am 26. Oktober 1861 führte Philipp Reis das Ur-Telefonat. Zumindest demonstrierte er an diesem Tag in Frankfurt die Funktionsfähigkeit seines Telephon-Prototypen.

Dabei übertrug die Apparatur in den Saal, was sein Schwager im Garten aus einem Buch vorlas. Reis wiederholte das ankommende Gekrächze. Ein Skeptiker argwöhnte, Reis habe den Text auswendig gelernt, und sprach selbst einige möglichst ungewöhnliche Sätze in den Apparat.  Eben ”Das Pferd frisst keinen Gurkensalat”. Aber auch “Die Sonne ist von Kupfer”.

Das Pferd frisst keinen Gurkensalat” war also nicht unbedingt der erste telefonierte Satz, wie häufig behauptet, hat sich aber bis heute besonders eingeprägt.
Reis verstand beide Sätze nicht ganz, aber das Publikum war überzeugt.
Und auch heute noch ruft man sich trotz schlechter Verbindung Sätze zu, auf deren Inhalt es gar nicht ankommt.

Tag des Händewaschens

Da aber XY sah, dass er nichts schaffte, sondern dass ein viel größer Getümmel ward, nahm er Wasser und wusch die Hände vor dem Volk und sprach: Ich bin unschuldig … , sehet ihr zu!

Nach Matthäus 27,24

Present but not Voting

Zu Professor Bentham wollen Sie? Den finden Sie  im ersten Stock. Der Mitarbeiter des UCL (University College of London) führt nach oben. Er hat schon lange keinen Besuch mehr gehabt. Wie, dieser berühmte Wissenschaftler?

Da sitzt er auch schon. Hinter weit geöffneten Türflügeln. Aufrecht und tadellos gekleidet, wie seit über hundertfünfzig Jahren schon. Tot allerdings. Seit 1832, um genau zu sein.

bentham

Jeremy Bentham (1748 -1832) war ein bedeutender Philosoph, Jurist und Sozialreformer. Er war ein Vorläufer moderner Rechts- und Verfassungsauffassung ebenso wie ein erstaunlich aktueller Vertreter der Tierrechte. In seinen Schriften trat er für die Rechte von Frauen und Homosexuellen ein.

Als Begründer des modernen Utilitarismus wollte er auch physisch über den Tod hinaus nützlich sein. Er vermachte seinen Körper der Wissenschaft. Ließ ihn sezieren und nach seinen Anweisungen zum ”Auto-Icon” präparieren. Das Skelett wurde mit Stroh und Kleidung umhüllt, der Kopf mumifiziert. Letzteres mit derart unglücklichem Ergebnis, dass man dem Skelett lieber einen Wachskopf aufsetzte. Den Originalkopf legte man der Figur zunächst Füßen. Nach Diebstahl durch Studierende des “rivalisierenden” King’s College  wurde er an einen sicheren Ort verbracht.

Es heißt, Bentham habe seinen Körper noch in anderer Weise der Wissenschaft vermacht. So soll er posthum an Sitzungen des Universitätsrats teilgenommen haben. Im Protokoll soll dann gestanden haben “Present but not voting”. Für manch lebenden Konferenzteilnehmer mag die umgekehrte Formulierung angebracht sein. Bei Patt-Situationen soll Benthams Stimme doch gezählt worden sein. Und zwar stets für den eingebrachten Antrag. Das Ganze ist allerdings bloße Legende. Die Universität dementiert jedenfalls.

Immerhin holt sie den Professor zu besonderen Anlässen aus dem Schrank in die Sitzung, zuletzt am 10. Juli 2013. Auch an einem Dinner hat er schon teilgenommen. Present but not eating.

Asses to Asses. Dust to Dust.

„Wieder einmal hat der liebe Gott, wie schon bei Wagner und Karajan, in einem Anfall von Zerstreutheit eine große Begabung an ein großes Arschloch vergeben.“ Werner Burkhardt

Wer war das dritte große Arschloch, das der Jazzkritiker hier besprach?
Miles Davis.

Aktuelles Buch zum Thema: „Assholes. A Theory“ von Aaron James.
Leider nur ein weiteres Beispiel für schwache, aber gehypte Pop-Philosophie. Der Autor versteht unter „Assholes“ Personen, die sich im Alltag systematisch auf Kosten anderer Vorteile verschaffen. Sie tun dies ohne Anflug von Skrupeln und sind immun gegen Proteste. Aus einer Reihe von Beispielen – der Vordrängler in der Schlange, der rücksichtslose Autofahrer… – leitet er eine Typologie ab. Das Ganze erfüllt kaum die Kriterien für eine Theorie. Könnte für eine Glosse reichen, aber der Autor dehnt das auf ermüdend repetitive zweihundert Seiten. Der eine oder andere Kritiker hat das Buch denn auch als Autobiografie verstanden. Po-Philosophie ist es in jedem Fall.

Bibelleser Mursi?

„Mursi liest dem Westen die Leviten“
So titelte gestern Spiegel Online.
Die Redewendung „Leviten lesen“ geht zurück auf christliche Strafpredigten des Mittelalters. Diese griffen insbesondere auf das Dritte Buch Mose (Levitikus) zurück. Also auf die „Satzungen und Gesetze, die der Herr zwischen ihm selbst und den Kindern Israel gestellt hat“. In denen es unter anderem heißt: „Denn ich bin der Herr, euer Gott, der euch aus Ägyptenland geführt hat, dass ihr meine Knechte wäret, und habe euer Joch zerbrochen und habe euch aufgerichtet wandeln lassen“.
Hm. Mohammed Mursi als Leser der Bibel? Der Tora gar? Die traditionelle religiöse Schulung jüdischer Jungen beginnt mit dem Lesen eben dieses Dritten Buch Mose.
Das eröffnet ganz neue Perspektiven für Ägypten und den Nahen Osten.
Doch dies war wohl auch Spiegel Online dann zu kühn.
Und so hieß der Titel denn am Abend „Mursi rechnet mit dem Westen ab“.
Schade eigentlich.

Kleider die auf den Tod warten

„Death cannot wait for the clothes, it’s the clothes that should wait for death.“
Kaja (Tuzla, Bosnia & Herzegovina), 2006

Auf dem Balkan haben Frauen traditionell zu Lebzeiten die Kleidung parat, in der sie einmal bestattet sein wollen. In einem erhellenden und berührenden Projekt hat die britische Fotografin Margareta Kern, die selbst aus Kroatien stammt, solche Frauen interviewt und zusammen mit dem Totenkleid fotografiert.

http://www.margaretakern.com/projects/clothesfordeath.htm