Idole und Lumpen

„Ohne Eintrittskarte kommen Sie hier nicht herein!“
Saalordner zu André Heller, der zu seinem eigenen Konzert durch den Zuschauereingang wollte.
Hellers Begleiter: „Aber das ist doch Herr Heller!“ „Das ist mir egal. Ohne Karte kommt er hier nicht rein.“

Der unerbittliche Saalordner mag vielleicht gar keine genaue Vorstellung von der Heller’schen Erscheinung gehabt haben. Aber nicht selten führt eben die genaue Vorstellung vom Aussehen des Idols zum selben Problem.

„Ein Lump sind Sie. So sieht der Beethoven nicht aus!“
Polizist, der den Spaziergänger Beethoven als vermeintlichen Vagabunden festhielt.

Auch Charlie Chaplin soll bei einem Chaplin-Ähnlichkeitswettbewerb nur den dritten Platz erreicht haben.

Belege für die Idee der „zwei Körper des Königs“ (Kantorowicz). Der „natürliche, sterbliche“ Körper des Idols kann mit der eigenen, „öffentlichen, unsterblichen“ Ikone nicht mithalten.

Kein Wunder, dass Garbo und Dietrich sich ganz zurückzogen, als sie glaubten ihrem unsterblichen „Körper“ nicht mehr selbst entsprechen zu können. Cher dagegen scheint den Kampf nicht aufgeben zu wollen. Auch Lenins Leichenpfleger arbeiten weiter. Anstrengend.
Einfacher ist es dann doch, den anfälligen natürlichen Körper früh zu verlassen wie James Dean und andere, denen ihr Image nicht mehr in die Quere kommen kann.

Dass die Übergangszeit dabei auch ihre Tücken haben kann, zeigt der Fall Chaplin, dessen Leiche bald nach der Beerdigung gestohlen und gegen hohes Lösegeld eingetauscht werden sollte.

Und mein Herz war so wund und schrie…

… Ich hab viel bessere Beine doch als sie

Marlene Dietrich als Eifersüchtige In der deutschen  Version von Cole Porters “Miss Otis regrets (she’s unable to dine today)“.

Geschrieben hat den Text der Wiener Kabarettautor Lothar Metzl. Er musste 1938 in die USA emigrieren und arbeitete dort auch als Autor für die Behörden. Er schrieb dabei deutsche Texte für populäre Songs, mit denen im Krieg die Moral der Deutschen untergraben werden sollte. Etwa auch die Zeilen
“Es hält ihr Wort ein jedes Mädchen aus Liebe für den Mann.
Doch fragt sich heute ein jedes Mädchen, wie lang sie treu sein kann.”

Wie poetisch die Kommunikationsaktivitäten damals gegen den Feind sein konnten. Und wie prosaisch sie heute gegen den Freund sein können.