Stunde der Konjunktivisten

„Stunde der Amateure
Nichts gelernt, und auch noch stolz darauf

Immer mehr Menschen glauben, sie wären die besseren Journalisten oder Politiker – dabei beherrschen sie nicht einmal den Konjunktiv. Das Land braucht wieder ein gesundes Elitebewusstsein.
Eine Kolumne von Jan Fleischhauer

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/amateure-nichts-gelernt-und-stolz-darauf-kolumne-fleischhauer-a-1115904.html

Ein Journalist kritisiert die Amateure wegen ihrer mangelnden Konjunktiv-Kompetenz und beginnt seinen Text selbst mit einem falschen Konjunktiv. Hätte man sich kaum ausdenken können.

Dabei hatte schon der Ex-Spiegel-Korrektor Sick ausführlich den Unterschied zwischen Konjunktiv I und II erläutert.

Bloße Besserwisserei in Sprachfragen ist ja doof, und das „wäre“ hätte normalerweise kaum jemanden gestört. Aber wenn einer so deutlich auf andere zeigt, scheint der Hinweis auf die eigene Nase doch angebracht.

Und die Überschriftenabteilung hatte auch noch ein altes Komma übrig.

Multitasking, ein Schlag ins Wasser

Lesen, Kind hüten und dabei noch ausparken?
Auch wenn es viele versuchen, es kann nicht gut gehen. Meinte schon Goethe:

„Sie springt in den Kahn, ergreift das Ruder und stößt ab.
Sie muss Gewalt brauchen, sie wiederholt den Stoß, der Kahn schwankt und gleitet eine Strecke seewärts. Auf dem linken Arme das Kind, in der linken Hand das Buch, in der rechten das Ruder, schwankt auch sie und fällt in den Kahn.
Das Ruder entfährt ihr nach der einen Seite und, wie sie sich erhalten will, Kind und Buch nach der andern, alles ins Wasser.
Sie ergreift noch des Kindes Gewand; aber ihre unbequeme Lage hindert sie selbst am Aufstehen.
Die freie rechte Hand ist nicht hinreichend sich umzuwenden, sich aufzurichten; endlich zieht sie das Kind aus dem Wasser, aber seine Augen sind geschlossen, es hat aufgehört zu atmen.“
Goethe, Wahlverwandtschaften