Selfie-Grab

Fernand Arbelot

Fernand Arbelot

Grab des Fernand Arbelot auf dem Pariser Friedhof Père Lachaise.
Die Skulptur erfüllt ihm seinen Wunsch, für immer in das Antlitz seiner Frau zu sehen.

Gut möglich, dass das Selfie-Zeitalter uns bald die Variante mit Smartphone in den Händen beschert. Und das Startup mit der passenden Find-a-Grave-App wird dann auch nicht lange auf sich warten lassen:

Das Smartphone erkennt, wann man sein finales Selfie schießt, gibt automatisch den Druckauftrag an den friedhofseigenen 3D-Drucker und benachrichtigt den Amazon-Rücknahme-Dienst. Der liefert die Leiche direkt in die von Google berechnete freie Grabstelle. 3D-Selfie-Skulptur drauf. Fertig.
Eingehende Facebook-Likes können fortlaufend am Fußende abgelesen werden.

 

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Tweets aus dem Siebzehnten Jahrhundert

Der Mann ist tot. Seit über dreihundert Jahren. Doch er twittert. Allein heute 4 Tweets. Fast 25.000 Followers.

Samuel Pepys (Bild) (1633-1703), ein hoher Funktionär im Londoner Flottenamt, ein überraschend moderner Urban Professional, ein großer und aktiver Liebhaber der Künste, der Wissenschaften, des Essens, der Frauen. Vor allem aber der Autor der wunderbaren Geheimen Tagebücher. Er schrieb sie von 1660 bis 1669 jeden Tag. Im Geheimen. In einer Kurzschrift, die kaum jemand lesen konnte.

Dies und sein freier Geist ermöglichten eine schonungslose Betrachtung seiner Zeit, seiner Zeitgenossen und seiner selbst. Und das im Zentrum des Geschehens einer aufregenden und gefährlichen Epoche (Kriege, Pest, Große Feuer, Religionsverfolgung, Ausschweifungen, wissenschaftliche Umbrüche). Wer sich nicht mit den vielen kümmerlichen Kompilationen zufriedengibt, sondern in die Gesamtausgaben hineinschaut, wird nicht nur durch die Fülle authentischer Details und Geschichten belohnt sondern auch durch den spektakulären Stil. Der verbindet auf selbstverständliche Weise etwa die große Politik mit intimsten Alltagsdetails.
Schon im ersten Eintrag heißt es übergangslos:
„Meine Frau… machte mir Hoffnung auf ein Kind, aber am letzten Tag des Jahres hatte sie wieder ihre Tage. Die Lage im Staat war wie folgt…“

Und da jeder Eintrag äußerst lesenswert ist, stellt der unermüdliche Phil Gyford seit 2003 Tag für Tag die Pepys-Einträge datumsgleich ins Web. Am 1. Januar 2003 also den ersten Eintrag vom 1. Januar 1660 und so fort bis heute. Das heißt, genau bis zum 31. Mai 2012 (1669). Dann wird Pepys seinen letzten Eintrag mit großem Bedauern (wegen seiner – unbegründeten – Furcht zu erblinden) beenden: „…almost as much as to see myself go into my grave…“
Das wird er dann wohl auch twittern: @samuelpepys. Natürlich wie bisher schon mit Hilfe von Phil.

Ein Tweet vom heutigen 20.1. thematisiert einmal mehr die – berechtigte – Eifersucht seiner Frau:
„My wife letting fall some words of her observing my eyes to be mightily employed in the playhouse, meaning upon women, which did vex me.“

Buch-Tipps:
Die vollständige englische Gesamtausgabe. Ein editorisches Meisterwerk auch unabhängig vom Thema.
Die daran orientierte deutsche Gesamtausgabe. Eine bewundernswerte verlegerische Leistung.
Die hervorragende Pepys-Biographie von Claire Tomalin.

Ach Kleist

Zu Kleists  200. Todestag:
„Ach!“

Infolge „emphatischer Unaussprechlichkeit“ müsste dieses eine Wort genügen.
Wer es dennoch ausführlicher haben möchte:

http://www.zeit.de/2000/03/200003.l-kleist_.xml
http://www.kleist.org/umat/i1_amp.htm
http://www.amazon.de/Heinrich-von-Kleist-Netz-W%C3%B6rter/dp/3882212845/ref=sr_1_3?ie=UTF8&qid=1321881263&sr=8-3