Shakes-PR?

Ich will keine Renommisten, ich bin in guter Renommee bei den allerbesten Leuten. – Schließt die Tür zu: wir lassen hier keine Renommisten hinein! Ich habe es nicht so weit in der Welt gebracht, um nun hier renommieren zu lassen: schließt die Tür zu, ich bitte Euch!

Shakespeare, Heinrich IV., Teil 2

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Valentinstag – Geht auch ohne Blumen

Valentinstag. Eine Erfindung der Blumenindustrie?
Nein. Viel älter. Steht in jedem Lexikon.
Valentinstag. Der Liebsten Blumen schenken?
OK, aber früher war das auch mal anders.
Und zumindest vom Procedere her amüsanter. Auch ging es nicht unbedingt um den existierenden Partner.

Im Frankreich und England des 17. Jahrhunderts etwa ermittelte man seine(n) „Valentine“ häufig durch Los. Die Männer zogen ein Los aus einer  „Billet-Box“ mit Frauennamen und umgekehrt. Die ermittelten Paare verbrachten dann das Fest am folgenden Tag miteinander.Da die Prozedur meist für jeden zwei Valentines ergab, mussten weitere Verfahren zur Entscheidung her. Die waren wohl regional oder sozial unterschiedlich. Auch zu Duellen soll es gekommen sein.

In den Tagebüchern von Samuel Pepys kann man über zehn Jahre verfolgen, in welchen Varianten man im London des 17.Jahrhunderts seinen Valentinsschatz gewählt hat.
Die Auslosung im Freundeskreis war wohl Standard.
„Es wurden aber nicht nur Namen, sondern auch Sinnsprüche gezogen, was eine neue Mode ist, und die Tochter von Mrs. Pearse zog für mich einen Spruch. Ich habe aber vergessen, wie er lautete. Der meiner Frau lautete: ‚Die überaus Tugendhafte und Schöne‘. Sie hefteten ihn sich ebenfalls an oder bildeten Anagramme daraus, was recht amüsant ist.“  (16.2.1667)

Neben dem Losverfahren gab es auch die bewusste persönliche Auswahl, die unter den Eheleuten Pepys offen diskutiert wurde:
„Heute Abend war meine Frau ganz darauf aus, dass wir uns für morgen einen Valentinsschatz aussuchen. Für mich Mrs. Clarke oder Mrs. Pearse, für sie Mr. Hunt oder Captain Ferrer. Ich hatte jedoch keine Lust dazu, weil es beiden Seiten nur Kosten einbringt, mir für meinen Schatz und dem Herren für sie. Ihr gefiel das ganz und gar nicht“ (13.2.1662)

Ob der Dissens dazu geführt hat, dass die Wahl der Valentines in den beiden darauffolgenden Tagebuch-Jahren keine Erwähnung findet? In den Jahren danach gab es wohl die Vereinbarung, dass Pepys seine Frau in jedem Fall als Valentine wählte – zusätzlich zu den anderen.

Weniger berechenbar war die Variante, auf die auch Shakespeares Ophelia anspielt:
Tomorrow is Saint Valentine’s day
All in the morning bedtime,
And I a maid at your window,
To be your Valentine.

Dabei musste man die erste Person des anderen Geschlechts, die man am Valentinsmorgen sah, als Valentine akzeptieren. Da wollte man natürlich nicht jeden sehen. Wie Mrs. Pepys, als sie die Handwerker im Haus hatte:
„Am Vormittag kam W. Bowyer, der darauf der Valentinsschatz meiner Frau wurde. Sie hatte (worüber ich mich im Stillen köstlich amüsierte) den ganzen Morgen den Kopf in den Händen verborgen gehalten, um nicht die Maler zu Gesicht zu bekommen, als diese meinen Kaminsims und die Bilderrahmen im Esszimmer vergoldeten. (14.2. 1662).
Ebenso ihr Gatte, der am selben Morgen nicht bei seinem Nachbarn und Kollegen gesehen werden wollte:
„Ich vermied es heute bewusst, mich bei Sir W. Batten blicken zu lassen, weil ich nicht wollte, dass seine Tochter mein Valentinsschatz wird, so wie im vergangenen Jahr. Wir sind nämlich nicht mehr so eng miteinander befreundet, wie früher. (14.2. 1662)

Als man noch gut Freund war, wurde durchaus auch Schabernack mit diesem Zufallsprinzip getrieben:
„Valentinstag. Früh aufgestanden und zu Sir W. Batten begeben. Ich ging aber nicht hinein, ohne zuvor gefragt zu haben, ob es sich bei der Person, welche die Tür öffnete, um einen Mann oder um eine Frau handelte. Mingo (Battens Diener), der dahinter stand, antwortete „eine Frau“ und brachte mich durch die Art, wie er es sagte, zum Lachen. Ich ging dann hinauf und wählte Mrs. Martha als meinen Valentinsschatz (aber nur aus Höflichkeit) und Sir W. Batten meine Frau als den seinen. Danach waren wir sehr vergnügt.“ (14.2. 1661)
„Heute früh kam der junge Dick Penn zu uns, weil er Valentinsschatz meiner Frau war, und trat zu uns ins Schlafzimmer. Ich ließ ihn auf meine Seite des Bettes kommen, damit er mir eine Kuss gebe. Doch er bemerkte es und ging auf die andere Seite zu meiner Frau – ein hübscher, stattlicher, aufgeweckter Bursche“ (14.2.1665)
Eine anderer junger Bursche brachte gar Selbstgebasteltes ans Bett:
„Heute morgen kam der junge Will Mercer zu meiner Frau ans Bett (ich war schon aufgestanden und kleidete mich an), weil er ihr Valentinsschatz seine wollte. er brachte einen blauen Zettel mit, auf den er selbst in goldenen Lettern sehr hübsch ihren Namen geschrieben hatte, und den meine Frau ihm anheftete. (14.2.1667)

Andererseits bemühte man sich natürlich, den gewünschten Schatz zu sichten und zu sichern:
„Am Morgen wurde ich von Mr. Moore herausgerufen (als meine Frau, die gerade bei mir in meinem Ankleidezimmer war, seine Stimme hörte, zog sie sich an und verlangte von ihm ihr Valentinsgeschenk, weil heute dafür der richtige Tag war)“(14.2. 1660)

Auch der lebenslustige Pepys selbst war ein begehrter Valentinsschatz:
„Danach stand ich auf, wollte ins Amt, doch als ich die Haustür öffnete, stand dort Bagwells Frau. Wir unterhielten uns , und sie gestand mir, sei sei so früh aerschienen in der Hoffnung, mein Valentinsschatz sein zu können, und sie gab mir tatsächlich einen Kuss. (14.2.1665)
Im Jahr darauf “ …erschien Mrs. Pearce, mit meinem Namen als Valentinsschatz am Busen, was mich etwas kosten wird“ (15.2.1666)

Und billig war das Ganze tatsächlich nicht. Mit Blumen und Schokoladenherzchen war es jedenfalls nicht getan:
„…zu meiner Base Turner. Sie hatte mir gestern Abend erzählt, sie habe mich als Valentinsschatz gezogen, daher kaufte ich ihr heute in der Neuen Börse ein Paar grüner Seidenstrümpfe, dazu Strumpfbänder, Schuhbänder und zwei mit Jasminduft parfümierte Handschuhe, alles zusammen für 28s.(15.2.1669)
Doch wie im Ringtausch kam Vieles in der Regel auch wieder zurück in den Pepys’schen Haushalt:
William Batten „…hatte gestern nämlich meiner Frau ein halbes Dutzend Handschuhe, ein paar Seidenstrümpfe und Strumpfbänder als Valentinsgeschenk gesandt. (22.2. 1661)
Pepys, der über alle Ausgeben penibelst Buch führte, hätte sicher detailliert belegen können, was bei diesen Tauschgeschenken unterm Strich herausgekommen wäre. „Ich bin diesem Jahr ebenfalls der Valentinsschatz meiner Frau, was mich wohl 5l kosten wird – die hätte ich aber auch sonst für sie ausgeben müssen.“ (14.2.1667)

Aber insgesamt wird er den Spaß genossen haben. Die heutige Blumen-Nummer wäre ihm gewiss zu dröge.

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(
Nicht verlinkte deutsche Zitate nach der deutschen Printausgabe)

Shakespeare-Schimpfe

Die These, dass Shakespeare lediglich das Pseudonym des Earl of Oxford gewesen sei, ist zwar nicht so alt wie Shakespeare, hat aber das Haltbarkeitsdatum seit langem überschritten.
Gleichwohl wird das dünne Thesen-Süppchen nun wieder aufgewärmt – von Roland Emmerich in dessen neuem Film „Anonymous“.

Wer sich darüber amüsiert oder ärgert, wie bierernst Emmerich in der Film-Promo die alte Plörre als neue wissenschaftliche Entdeckung präsentiert, der bekommt hier die passenden Shakespeareanischen Schimpfwörter. Mit dem folgenden „Invektivengenerator“
lassen sich daraus vielfältige Kombinationen herstellen.

Shakespeare Insult Kit
Combine one word from each of the three columns below, prefaced with „Thou“:

Column 1	    Column 2            Column 3 

artless             base-court          apple-john
bawdy               bat-fowling         baggage
beslubbering        beef-witted         barnacle
bootless            beetle-headed       bladder
churlish            boil-brained        boar-pig
cockered            clapper-clawed      bugbear
clouted             clay-brained        bum-bailey
craven              common-kissing      canker-blossom
currish             crook-pated         clack-dish
dankish             dismal-dreaming     clotpole
dissembling         dizzy-eyed          coxcomb
droning             doghearted          codpiece
errant              dread-bolted        death-token
fawning             earth-vexing        dewberry
fobbing             elf-skinned         flap-dragon
froward             fat-kidneyed        flax-wench
frothy              fen-sucked          flirt-gill
gleeking            flap-mouthed        foot-licker
goatish             fly-bitten          fustilarian
gorbellied          folly-fallen        giglet
impertinent         fool-born           gudgeon
infectious          full-gorged         haggard
jarring             guts-griping        harpy
loggerheaded        half-faced          hedge-pig
lumpish             hasty-witted        horn-beast
mammering           hedge-born          hugger-mugger
mangled             hell-hated          joithead
mewling             idle-headed         lewdster
paunchy             ill-breeding        lout
pribbling           ill-nurtured        maggot-pie
puking              knotty-pated        malt-worm
puny                milk-livered        mammet
qualling            motley-minded       measle
rank                onion-eyed          minnow
reeky               plume-plucked       miscreant
roguish             pottle-deep         moldwarp
ruttish             pox-marked          mumble-news
saucy               reeling-ripe        nut-hook
spleeny             rough-hewn          pigeon-egg
spongy              rude-growing        pignut
surly               rump-fed            puttock
tottering           shard-borne         pumpion
unmuzzled           sheep-biting        ratsbane
vain                spur-galled         scut
venomed             swag-bellied        skainsmate
villainous          tardy-gaited        strumpet
warped              tickle-brained      varlot
wayward             toad-spotted        vassal
weedy               unchin-snouted      whey-face
yeasty              weather-bitten      wagtail

My (s. u.)  additions:

cullionly           whoreson            knave
fusty               malmsey-nosed       blind-worm
caluminous          rampallian          popinjay
wimpled             lily-livered        scullian
burly-boned         scurvy-valiant      jolt-head
misbegotten         brazen-faced        malcontent
odiferous           unwash'd            devil-monk

poisonous           bunch-back'd        toad
fishified           leaden-footed       rascal
Wart-necked         muddy-mettled       Basket-Cockle
                    pigeon-liver'd
                    scale-sided

Ich habe das hier gefunden, aber keine weiteren Hinweise auf eine möglicherweise ursprüngliche Quelle. Also keine Gewähr.