Wussten Sie dass Prinz Philip von der Südsee-Insel Tanna stammt?

Diese Frage stellt eine Gruppe traditioneller Melanesier auf ihrer Reise durch das heutige Großbritannien immer wieder.

Die wunderbare TV-Dokumentation von 2007  begleitet die Gruppe auf Ihrer Suche nach Prinz Philip. Als Anhänger eines Cargo-Kults halten sie Prinz Philip für den Sohn eines Berggeists, der über den Ozean gegangen ist, um eine mächtige Frau zu heiraten. Eines Tages, heißt es, wird er zurück kehren, um seine Leute in eine bessere Zukunft zu führen.

Das ist schon eine Geschichte für sich. Das Spannende an dem Film ist allerdings der fremde Blick, den die Besucher auf das westeuropäische Leben werfen. Die Fragen, die sie ihren Gastgebern aus sehr unterschiedlichen Milieus zu deren Lebensweise stellen, geben auf sehr fundamentale Weise zu denken. Eine filmische Umsetzung des berühmten Papalagi-Büchleins von 1920.

Zu sehen diese Woche bei arte TV bzw. arte+7.

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Bratenwenderhund

whyskey the turnspitdogAusgestorben. Erst der Beruf, dann der Arbeiter, dann das Wort:
Bratenwenderhund.

Der Bratenwenderhund (im englischen Original „turnspit dog“) war eine Hunderasse, die man im England der Tudor-Zeit speziell dafür gezüchtet hatte, in den Küchen großer Häuser und Gasthäuser die Drehspieße in Bewegung zu halten. Dazu mussten die Hunde unablässig in einem mit dem Spieß verbundenen Laufrad rennen. Häufig nicht weit vom Feuer. Stundenlang. Oft arbeiteten mehrere Hunde im Schichtwechsel. Wer zu früh müde wurde, wurde geschlagen.

With eagerness he still does forward tend,
Like Sisyphus, whose journey has no end.‘

Anonym. Über „Fuddle“, einen Bratenwenderhund aus Norwich
(zitiert nach http://www.h2g2.com/approved_entry/A4802933)

Schon die Ausbildung war grausam. Es war wohl nicht unüblich, den Anfängern ein Stück glühende Kohle mit ins Laufrad zu legen, so dass sie permanent rennen mussten, um sich nicht die Füsse zu verbrennen. Den ausgebildeten Hunden schrieben Zeitgenossen eine regelrecht professionelle Arbeitseinstellung zu, verzeichneten aber auch einen „misstrauischem, unglücklichen Blick“. Wen wundert’s.

Selbst einen Nebenjob hatten sie noch: Als Fußwärmer beim Gottesdienst. Es heißt, ein Bischof habe einmal über „Ezekiel saw the wheel“ gepredigt, und beim Wort „wheel“ seien sämtliche Fußwärmer aufgesprungen, um zu ihrem Hauptjob im Rad zu laufen. Nur einmal wird berichtet, dass ein Bratenwenderhund gebissen hat. Opfer war „ein Frauenzimmer von 22 Jahren, gesund und von guter Leibesbeschaffenheit“. Der Hund war nicht so gesund, sonst hätte er wohl auch nicht gebissen. Er hatte Tollwut und steckte das Frauenzimmer an. Dieses litt eine Weile, erlangte dann aber wieder „die vorige Heiterkeit und Ruhe“. Der Bratenwender aber starb. (Layard, Versuch über den tollen Hund, 1778)

Seine Kollegen blieben bis Anfang des Neunzehnten Jahrhunderts im mühsamen Geschäft. Mit dem Aufkommen von Dampf- und Elektroantrieben verloren sie ihren Job. Und für die Halter wohl ihre Daseinsberechtigung. Die Rasse gilt als ausgestorben.

Das letzte Exemplar  des Bratenwenderhunds findet sich in einem Museum im walisischen Abergavenny. In seinem kleinen Holzkasten hat der ausgestopfte Whiskey wohl noch weniger Platz als an seinem einstigen Arbeitsplatz.
Allerdings erscheint er doch viel hübscher, als 1576 im Buch Of English Dogs“ beschrieben: „lang im Körperbau, krummbeinig und hässlich“. Wer sich lang und krumm machen muss, wird auch noch beschimpft..
Diese Undankbarkeit dem Sisysphushund gegenüber belegt auch die Probert Encyclopaedia, derzufolge zumindest das englische Wort „turnspit dog“ überlebt hat: „Turnspit dog is slang for someone who does all the work, but receives none of the profit“.