Coxcomb

Ein altes englisches Schimpfwort, das sich auch im „Shakespeare Insult Kit“ findet.
Wörtlich „Hahnenkamm“, im Mittelalter zunächst als – nahe liegende –  Bezeichnung für die Narrenkappe, dann für den Narren selbst verwendet. Spätestens das gleichnamige Theaterstück von Beaumont and Fletcher aus dem frühen 17.Jahrhundert zeigt eine Bedeutungsverschiebung hin zum eitlen, hohlen, selbstgefälligen Fatzke. (Vgl. auch  „Jeck“ und „Geck“ im Deutschen.)

Samuel Pepys stößt in seinem Umfeld – Königlicher Hof und Flottenamt im London der 1660er Jahre – immer wieder auf Prachtexemplare dieser Spezies „Coxcomb“ und verewigt sie in seinen wunderbaren  Geheimen Tagebüchern:
„Like an ignorant illiterate coxcomb“
„But a vain coxcomb I perceive he is though he sings and composes well.“
Und besonders schön weil wortvergessen:
„Mr. Wiles the coxcomb whom I saw heretofore at the cockfighting…“
Also ganz wörtlich „Der Hahnenkamm, den ich zuvor beim Hahnenkampf gesehen hatte…“
Vergleichsweise aktuelle Musik dazu:
Carly Simon, You’re so Vain.

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Euthanasie und Euphemismus

http://www.tagesspiegel.de/berlin/vor-der-neuen-nationalgalerie-gelogene-wahrheit-ueber-gerhard-richters-tante-marianne/6526736.html

Diese Unschärfe hatte Gerhard Richter dann wohl doch nicht gemeint.

Als Heimweh noch tödlich war

 Im aktuellen Spiegel-Titel über „Heimat“ kommt auch das „Heimweh“ vor.
Den Journalisten Freddie Röckenhaus soll es gar so stark überkommen haben, dass er aus dem schönen und mondänen Hamburg wieder zurück in seine Heimatstadt Dortmund zog und von da gar nicht mehr weg will.
Das scheint uns weltläufigen Mobilitätsartisten schon ein ordentliches Heimweh
zu sein.
Doch früher war alles noch viel schlimmer. Früher war Heimweh eine echte Krankheit, die auch tödlich enden konnte.
Und wer hat’s erfunden?
Die Schweizer natürlich. Mitte des 16. Jahrhunderts berichtet ein Schweizer Heerführer von einem Söldner „gestorben von heimwe“ (1).
1678 veröffentlichte der Schweizer Arzt Johann Hofer seine Dissertation „De Nostalgia oder Heimwehe“. Nebenbei hat er damit auch das Kunstwort Nostalgie geprägt, das wir heute eher im zeitlichen Sinne als Sehnsucht nach der Vergangenheit verstehen.
Der Mediziner ging mit seiner Arbeit ein ernsthaftes Problem an: Tatsächlich litten etliche Schweizer Söldner im Ausland so schwer an Heimweh, dass sie, wenn sie nicht desertierten, ernsthaft erkrankten und teils auch starben. Besonders befeuert wurde diese Krankheit durch das Singen und Spielen des heimischen „Kuhreihens“. Die Offiziere sahen sich schließlich gezwungen, diese Musik unter Androhung der Todesstrafe zu verbieten.
Auf der Suche nach der Ursache dieser „Schweizerkrankheit“ verfolgte die Wissenschaft diverse Hypothesen. Eine davon machte die „unreine“ Luft in den engen Schweizer Tälern verantwortlich. (Litt Dortmund nicht auch einmal unter schlechter Luft?). Als man die Heimweh-Krankheit jedoch auch an der See nachwies, musste man neu ansetzen.
Mit Verbrechen aus Heimweh befasste sich 1909 Karl Jaspers. Er unterzieht die Straftaten „entwurzelter“ junger Mädchen, die von den gesellschaftlichen Umwälzungen vom Land in die Städte getrieben worden, waren, einer psychologischen Analyse. (Vielleicht die einzige Dissertation, die als Theaterstück eingerichtet wurde.)
Möglicherweise lindern unsere heutige Lebensweise, unser Selbstverständnis, die Möglichkeiten des physischen wie des virtuellen Reisens Ausbruch und Folgen des Heimwehs. Etwas Heimweh bleibt wohl immer. Und sei es nach einer Heimat, in der wir nie waren (Ernst Bloch).
So angenehm melancholisch kann es natürlich nur aus einer saturierten Position voller Entscheidungsfreiheit enden. Für die vielen Flüchtlinge auf unserem Globus dürfte das Heimweh nach wie vor eine existenzielle Sache sein.

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(1) Zitiert nach Gröf, D. “ Diagnose Heimweh“, S. 90.

FAZ endlich Vorreiter bei Rechtschreibung!

Die FAZ meldet exklusiv die geplante Anpassung der deutschen Rechtschreibung an globale Gegebenheiten:
Internationale Anforderungen
Selbstverständlich im Innovationsressort „Technik & Motor“.

Wir waren aber auch nicht untätig und haben uns Gedanken zu möglichen
Einsparungen bei der Rechtschreibung gemacht:

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